Mies gemacht (VIII und Schluss)

Liebe Deutschlandfans! Gleich dreihunderttausend von euch haben in der Hauptstadt die „krawallige Karaoke-Party mit zugekauftem Frohsinn“ bevölkert und dafür ein Programm der Extraklasse serviert bekommen: „Es singt Christina Stürmer noch einmal eine EM-Hymne namens ‚Fieber’, es kräht der unbarmherzige Kasper Oliver Pocher Reste einer Liedruine, es stottert ein übernächtigter Mertesacker unwillig Freude ins Mikro, und der tote Drafi Deutscher überbringt Glückwünsche mit ‚Marmor, Stein und Eisen bricht’. Ein Herz aus Stein hat, wer da nicht mitbrechen muss.“ Dam, dam. Dam, dam.
Lieber Michael Ballack! Ihre malade Wade hat das Land nachhaltig beschäftigt und bei den Deutschen vor dem finalen Kampf die letzten Reserven mobilisiert: Nach der Flakhelfergeneration gibt es jetzt also die Ballackhelfergeneration. Aber mit der ist irgendwie auch kein Krieg zu gewinnen, was?

Lieber Christoph Metzelder! „Wer rasiert, verliert“, lautet eine alte Fußballerweisheit, der Sie sich ganz offensichtlich strengstens verpflichtet fühlen. Als die Parole dann nach dem Schlusspfiff des Endspiels obsolet geworden war, kam die Gesichtsbehaarung endlich runter – und um ehrlich zu sein: Das war mit Abstand Ihre stärkste Aktion bei der Euro.
Und noch einmal lieber Michael Ballack! „Es gab starke Teams bei der EM“, fassten Sie nach Spielende vor laufender Kamera zusammen: „Holland, Italien, Portugal und die Niederlande.“ Und jetzt sagen Sie mal: Zu viel Österreichischen Rundfunk gehört in den letzten Wochen?
Liebe deutsche Nationalmannschaft! Beim Bankett nach dem Finale die Chorizo-Wurst keines Happens zu würdigen – da habt ihr’s den Spaniern aber derbe gegeben!
Lieber Hartmut Witte (Aalen)! „Der kicker berichtete ausführlich, aber nur in versachlichter Form“, beschwerten Sie sich mit einem Leserbrief beim nämlichen Fachblatt. „Ich vermisse Patriotismus bzw. ein ‚Wir-Gefühl’.“ Dürfen wir davon ausgehen, dass Sie den Antrag, das vaterlandslose Nürnberger Sportmagazin auf den Index zu setzen, schon bei der Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Schriften eingereicht haben?
Liebe Monica Lierhaus! Um es mit Dieter Eilts zu sagen: „Wenn meine Oma ein Bus wäre, dann könnte sie hupen.“ Oder, in den Worten des Philosophen Jens Lehmann: „Der Konjunktiv ist der Feind des Verlierers.“ Jede Wette, daran knabbern Sie immer noch. Zu Recht.
Mies gemacht war die EM-Kolumne von Lizas Welt. Ein großes Dankeschön an die vielen Leserinnen und Leser, die sie mit E-Mails, Tipps, Hinweisen und Recherchen überhaupt erst ermöglicht haben.