8.10.07

Spielt nicht gegen Juden

Wenn die deutsche U21-Nationalmannschaft am kommenden Freitag zu ihrem EM-Qualifikationsspiel in Tel Aviv gegen Israel antritt, wird einer, der normalerweise zum Aufgebot gehört, auf eigenen Wunsch nicht dabei sein: Ashkan Dejagah bat seinen Trainer Dieter Eilts um die Freistellung. „Das hat politische Gründe“, sagte der in der Bundesliga für den VfL Wolfsburg spielende Angreifer. „Jeder weiß, dass ich Deutsch-Iraner bin.“ Und als solcher will er nicht gegen die Juniorenauswahl des jüdischen Staates antreten.

Dejagah wurde am 5. Juli 1986 in Teheran geboren und wuchs in Berlin auf. Seine Eltern sind Iraner; er selbst hat jedoch auch einen deutschen Pass und ist deshalb für die Teams des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) spielberechtigt. Dessen ungeachtet könnte er später noch in die iranische A-Nationalmannschaft berufen werden – eine Möglichkeit, auf die Dejagah offensichtlich spekuliert: „Es gibt lockere Anfragen“, sagte er.

Würde er für die deutsche U21 gegen Israel spielen, käme ein Einsatz für den Iran jedoch nicht mehr in Frage. Denn der islamische Staat verbietet seinen Sportlern den Wettbewerb mit israelischen Aktiven und droht bei Zuwiderhandlung mit dem Ausschluss und weiteren Sanktionen. Bei den Olympischen Spielen 2004 trat der hoch favorisierte iranische Judoka Arash Miresmaeili deshalb nicht gegen den Israeli Ehud Vaks an.

In der Saison 2004/05 hatte der deutsche Rekordmeister FC Bayern München in der Champions League zwei Spiele gegen Maccabi Tel Aviv auszutragen. Bei den Bayern stand damals der inzwischen für Hannover 96 kickende iranische Nationalspieler Vahid Hashemian unter Vertrag. Der fehlte allerdings in den beiden Spielen gegen den israelischen Klub. Die offizielle Begründung lautete, der Stürmer sei verletzt. Dass diese Argumentation nur vorgeschoben war, lag gleichwohl nahe: Der iranische Verband hatte Hashemian mit Konsequenzen gedroht, sollte er mit den Münchnern gegen Maccabi spielen.

Dejagah hingegen ist deutscher Nationalspieler. Und dennoch hatte der DFB Verständnis für sein Ansinnen: „Er hat Trainer Dieter Eilts den Wunsch mitgeteilt. Wir haben darüber gesprochen und werden es akzeptieren“, tat Sportdirektor Matthias Sammer kund. DFB-Präsident Theo Zwanziger betonte zwar: „Ich würde das bedauern. Wenn wir anfangen, nach politischen Dingen aufzuteilen, wäre der Sport der große Verlierer.“ Doch weiter mochte er nicht gehen.

Deutlicher wurde da schon Friedbert Pflüger, der Vorsitzende der CDU-Fraktion im Berliner Abgeordnetenhaus: „Das ist unmöglich und völlig inakzeptabel. Sonst fängt jeder an, sich auszusuchen, gegen wen er nicht spielen will.“ Auch eventuelle Sicherheitsbedenken des früheren Herthaners für sich und seine iranische Familie ließ Pflüger nicht gelten: „Er ist deutscher Staatsbürger, es würde in Israel alles für seine Sicherheit getan werden.“ Das bestätigte Ze’ev Seltzer, Jugendkoordinator des israelischen Fußballverbands: „Wir würden ihm einen freundlichen Empfang bereiten. Wir können zwischen Sport und Politik trennen.“

Es ist schon bemerkenswert, dass der DFB die Weigerung Dejagahs, gegen eine israelische Mannschaft zu spielen, ohne Weiteres hinnimmt, statt deutlich Position gegen die „politischen Gründe“ des Kickers zu beziehen und ihn für weitere Einsätze in DFB-Auswahlteams zu sperren, wenn er bei seinem Entschluss bleibt. Dass dem Wolfsburger ein Karriereknick droht, falls er in Tel Aviv aufläuft, kann jedenfalls kein Grund sein, ihn zu Hause zu lassen. Richtig wäre es vielmehr gewesen, Dejagah vor die Wahl zu stellen, entweder weiterhin mit allen Konsequenzen für den DFB zu spielen oder sich für den Iran zu entscheiden. So aber lässt der Fußballverband es nicht nur zu, dass ihm die Mullahs die Aufstellung diktieren; er unterstützt vor allem das antisemitische Regime in Teheran. Und das ist der eigentliche Skandal.

Hattips: Christian H., Martin T., Moritz G., Wolfram D.

Siehe auch den Kommentar zur weiteren Entwicklung der Causa Dejagah:
Talente bei der Imagepflege