Überspringender Funke

Holocaustleugner lässt man also besser nicht sprechen, doch man lädt sie ein, um mit ihnen zu einem Deal zu kommen – eine bemerkenswerte Logik. Vielleicht ist es aber auch gar kein Widerspruch, den Funke da von sich gegeben hat, sondern einfach nur die Legitimation des geschichtspolitischen Status quo, den Massenmord an den Juden irgendwie produktiv zu machen – wenn schon nicht für die Vergangenheit, dann qua Bewältigung umso mehr für die Gegenwart. Also kommt Ahmadinedjad Funke wg. Holocaustleugnung – und nur deshalb – „nicht ins Haus“, aber im Grunde genommen findet der Politologe es schade, dass es dieses Hindernis gibt. Schließlich sei Ahmadinedjad „kein Diktator“, und daher müsse man sich „mit den Machthabern im Iran um einen Kompromiss bemühen“. In diesem Zusammenhang hielt Funke auch gleich ein paar gute Ratschläge für den Präsidenten der Columbia University, Lee Bollinger, und darüber hinaus auch für die amerikanische Regierung bereit: Man dürfe „das Nicht-Kommunikative“ nicht zu sehr verschärfen und möge sich, statt den iranischen Regimeführer zu „beleidigen“, lieber mit ihm auf ein offenes Frage-Antwort-Spiel einlassen.
Denn Mahmud Ahmadinedjad wolle keinen Krieg – „und ich glaube, dass das richtig ist“ –, er beabsichtige keinesfalls die Vernichtung Israels und strebe zudem eine Beilegung des Atomstreits an, behauptete Funke. „Das sind drei für die internationalen Beziehungen zentrale Aussagen, für die man nur dankbar sein kann.“ Also sollten sich die USA und der Iran ins Gespräch begeben, auf Augenhöhe im Weißen Haus sozusagen. Das ist für einen deutschen Politikwissenschaftler allen Ernstes die Quintessenz aus dem Auftritt des Mullah-Führers an einer bedeutenden amerikanischen Universität: Ahmadinedjad hat sich glaubwürdig als Friedenstäubchen präsentiert, das dem jüdischen Staat kein Haar krümmen will. Wenn sich Funke gleichzeitig angeblich nicht vorstellen kann, derlei in Deutschland stattfinden zu lassen, dann handelt es sich bloß um eine taktische Finte. Und die ist schon deshalb so durchsichtig, weil es keinen Holocaustleugner gibt, der nicht zum Ziel hat, Israel lieber heute als morgen dem Erdboden gleichzumachen. So sehen sie aus, die viel beschworenen Lehren aus der Geschichte: Um die toten Juden kümmert man sich rührend, die lebenden jedoch sind Verhandlungsmasse. Das ist kein Appeasement, das ist Kollaboration.
Hattip: barbarashm