Nichts für kleine Gotteskrieger

Nur zwei Beispiele. Beginnen wir mit „Du hast angefangen! Nein, du!“ Dazu lässt RBB wissen: „Das ist die Geschichte von zwei Kerlen, die in einen mächtigen Streit geraten. Beide wohnen auf den gegenüberliegenden Seiten eines Berges. Manchmal sprechen sie durch ein Loch im Berg miteinander, aber gesehen haben sie sich noch nie.“ Man ahnt es schon – der vom Papst beschworene Dialog der Kulturen naht. „Der eine Kerl sieht auf seiner Seite jeden Tag die Sonne aufgehen. Und der andere sieht sie auf seiner Seite des Berges untergehen.“ Ein weiteres klares Indiz – Sonnenaufgang im Osten, Sonnenuntergang im Westen, also Morgenland hie, Abendland da. Und heiter weiter: „Das ist eigentlich kein Grund zum Streiten.“ Ein deutliches Plädoyer für Gewaltlosigkeit! „Aber wenn nun der eine Kerl findet, dass der Tag geht, der andere aber meint, dass die Nacht kommt, dann kann man sich darüber vortrefflich streiten.“ Wenn das mal keine Anspielung auf die Jenseitserwartung des Islam ist – „der Tag geht“ –, der das Diesseits der christlichen Welt entgegengesetzt wird. Doch „am Ende vertragen sie sich wieder. Und das ist doch das Beste am Streiten, nicht wahr?“ Ein interreligiöses Versöhnungsangebot, kindgerecht inszeniert – da kann man leicht schwach werden und das Schwert sinken lassen.
Und dann erst die Geschichte vom Reineke! „Der Fuchs saß in der Höhle drin / die kleinen Füchse um ihn rum / drei Meter tief im Tannenwald“, hebt die Episode scheinbar harmlos an und geht dann bald ans Eingemachte: „Dem Fuchs dem knurrt der Magen sehr / den kleinen Füchsen noch viel mehr.“ Hunger also, gar Gier vielleicht von den durchtriebenen Tieren, die hier das Handeln diktieren. „Der Fuchs läuft durch die dunkle Nacht / zum Hof vom Bauern Lempe“ – man fühlt die List förmlich nahen. Ein Loch gegraben, und ab in den Hühnerstall: „Die dicksten Eier schnappt er sich / im Stall von Bauer Lempe.“ Glatter Raub also, aus vorgeblich nachvollziehbaren Motiven, auch wenn der Besitzer sich um sein Hab und Gut betrogen und hintergangen fühlen muss. Und schließlich der Genuss des Triumphes: „Im Fuchsbau war die Freude groß / der Fuchs, der schmatzte auch gleich los / die kleinen Füchse schmatzten mit / den großen Brei mit Eiern.“ Eine kaum verklausulierte metaphorische Legitimierung der christlichen Kreuzzüge, des Kolonialismus und von Jahrhunderten der Demütigung und Erniedrigung der islamischen Welt, repräsentiert und personifiziert durch den auf seinem Hof – vulgo: der Scholle – fest verwurzelten, etwas dümmlichen Bauern, der die autochthonen Bewohner der heiligen arabischen Erde symbolisieren soll. Den Widerpart geben die bekanntlich als schlau konnotierten Füchse – die hier sozusagen die Rolle der Christen einnehmen. Subtil und verfänglich, solche nur vermeintlich lustigen Geschichten. Nichts für kleine Gotteskrieger also.
Da ist es nur konsequent, wenn Al-Jazeera die Ausstrahlung des Sandmännchens auf Eis legt. Ein bisschen mehr Respekt vor der Religion des Friedens kann man schließlich verlangen. Auch und gerade den Kleinen gegenüber.