Applaus, Applaus!

Gregor Dotzauer wiederum hatte im Tagesspiegel zwar noch ein wenig Bauchgrimmen – „Für ein Manifest ist der Text weder besonders prägnant geschrieben noch gehen die Forderungen über Denkanstöße hinaus“ –, doch alles in allem sei „ein erster Schritt“ getan, „Deutschlands Sonderstellung gegenüber Israel – vor allem nach dem Libanonkrieg – jenseits von Lagermentalitäten neu zu bestimmen“. Also lobte er die Verfasser ausdrücklich: „Das Bemühen, sich dabei von niemandem vereinnahmen zu lassen, ist deutlich erkennbar“ – kein Wunder: Für diese Vereinnahmung hatten die Politologiker schon selbst gesorgt, indem sie die Shoa zur Ursache für „das seit sechs Jahrzehnten anhaltende und gegenwärtig bis zur Unerträglichkeit gesteigerte Leid“ der nahöstlichen Autochthonen umlogen: „Ohne den Holocaust an den Juden würde die israelische Politik sich nicht berechtigt oder/und gezwungen sehen, sich so hartnäckig über die Menschenrechte der Palästinenser und der Bewohner Libanons hinwegzusetzen.“ Und profitable Finanzspritzen von den Amis gäbe es dann auch nicht. Diese Passagen muss Dotzauer ignoriert haben, denn er befand unbeirrt: „Die Einzigartigkeit des Holocaust wird ebenso ausdrücklich anerkannt wie die Notwendigkeit, jede Form des Antisemitismus zu bekämpfen“, und zwar „nicht zuletzt durch militärisches Knowhow“. Im Manifest steht jedoch das genaue Gegenteil.

Die Hörfunkpropagandisten der Mullahs haben völlig Recht: Warum sollte ein ausgewiesener Rechtsextremist für ein Anliegen verurteilt werden, das fünfundzwanzig Hochschullehrern eine Dokumentation in einer großen deutschen Tageszeitung ermöglicht hat? Ergo hieß es weiter: „Der Zweifel am Massenmord an den Juden während des Zweiten Weltkrieges hat in den meisten europäischen Ländern eine Haft- bzw. Geldstrafe zur Folge. Aus diesem Grund ist in der Erklärung der deutschen Dozenten, bevor auf die Frage des Holocausts an sich eingegangen wird, die Ausnutzung des Holocaust durch das zionistische Regime und die Politik der Bundesregierung in Bezug auf die aggressiven Maßnahmen der Zionisten in den besetzten Palästinensergebieten und im Libanon kritisiert worden.“ Diese Kumpanei haben sich die Politologen redlich verdient – für ihren Versuch nämlich, „sich einerseits von der Strafe eines Zweifels über den Holocaust zu befreien und anderseits ihre Kritik am Holocaust zur Sprache zu bringen“. Denn: „Hauptsache ist, dass das Tabu des Holocausts in Europa gebrochen [wurde]. Diese Frage fordert nun die europäischen Regierungen heraus.“ Und nichts anderes hatten die Kapazitäten von Johannes Becker über Georg Meggle bis zu Udo Steinbach schließlich bezweckt.
Die beste Headline eines Beitrags zu dem „Manifest der 25“ stammt jedoch von Eldad Beck, dessen Artikel in den Ynetnews mit „Deutsche Akademiker: Genug der Sonderbehandlung für Israel“ überschrieben war. Der Begriff „Sonderbehandlung“ war einer der Euphemismen der Nationalsozialisten für den Massenmord insbesondere an den Juden. Ihn gegen die deutschen und österreichischen Politikwissenschaftler gewendet zu haben – die der Ansicht sind, die „besonderen Beziehungen“ Deutschlands zu Israel müssten einer Hinwendung zu den wirklichen Opfern der Shoa, den Palästinensern nämlich, weichen –, verdient höchsten Respekt.
Hattip: Karl Pfeifer