Legendenhunger

Abgesehen davon zeigen neueste Zahlen einmal mehr, wie sehr sich die Weltgemeinschaft in Wirklichkeit um ihr Lieblingskind sorgt. In einer Presseerklärung der Uno etwa hieß es vor wenigen Tagen: „Die Unterstützung der Palästinenser belief sich im letzten Jahr – nicht mitgerechnet die Zuwendungen an die Palästinensische Autonomiebehörde oder die Hamas seitens regionaler Geldgeber – auf 1,2 Milliarden Dollar, was einer Steigerung von etwa 10 Prozent gegenüber 2005 entspricht.“ Die meisten Zahlungen seien dabei an der palästinensischen Regierung vorbei geflossen, wurde versichert. Die humanitäre Hilfe in Form von Nahrungsmittel- und Arbeitsprogrammen habe sich seit 2004 sogar verdoppelt.
Zahlen wurden auch auf einem Treffen des aus den USA, der EU, der Uno und Russland bestehenden Nahostquartetts am vergangenen Wochenende verlautbart: Die Hamas habe seit ihrem Amtsantritt zwar insgesamt nur 150 Millionen Dollar an Steuern eingetrieben – so hoch ist normalerweise der Monatsbedarf der Autonomiebehörde – und weitere geschätzte 50 Millionen auf anderem Wege ins Land geschmuggelt. Auf Drängen der USA seien jedoch 400 Millionen Dollar aus arabischen Ländern direkt an Präsident Mahmud Abbas gegangen; alles in allem 700 Millionen habe es zudem an internationaler Hilfe gegeben, die unter Umgehung der Hamas der Bevölkerung zugute gekommen seien. Damit habe man der palästinensischen Bevölkerung in zwei Monaten mehr zukommen lassen als die Hamas in zehn. Russland jedoch forderte auf dem Treffen im Unterschied zum Rest des Quartetts ein Ende des Boykotts, die Wiederaufnahme der Beziehungen mit der Gotteskriegertruppe und zudem den „konstruktiven Einbezug Syriens“. Und das, obwohl Hizbollah-Führer Hassan Nasrallah mehr als deutlich gemacht hatte: „Der Iran unterstützt die Hizbollah mit Geld, Waffen und Training, motiviert durch religiöse Brüderlichkeit und ethnische Solidarität. Und diese Hilfe wird von Syrien lanciert, wie jeder weiß.“ Dass der Hamas von der Hizbollah unter die Arme gegriffen wird, dürfte ebenfalls hinlänglich bekannt sein. Eine existenzielle Bedrohung für Israel.

Über dessen Ergebnisse bis Ende September 2006 berichteten seine Verantwortlichen weiter: „1,3 Millionen Menschen im Gazastreifen haben dank des TIM Zugang zu Trinkwasser, Gesundheitsversorgung und sanitären Anlagen. Über 600.000 Menschen erhalten Sozialhilfe im Rahmen des TIM, darunter 12.000 Mitarbeiter des Gesundheitswesens, 55.000 gering bezahlte Erbringer öffentlicher Dienstleistungen und Rentner sowie 40.000 besonders bedürftige Familien. Es wurden mehr als 2 Millionen Liter Treibstoff geliefert, um die Stromversorgung insbesondere der Krankenhäuser und der Wasserversorgungswerke und Kläranlagen im Gazastreifen, wo im Juli das Elektrizitätswerk zerstört wurde, zu gewährleisten. Zahlungen weiterer Leistungen hängen von den Zusagen anderer Geber ab.“ 651 Millionen Euro – das ist der Löwenanteil des internationalen Supports – seien im vergangenen Jahr den Palästinensern zugegangen, teilte die Europäische Kommission nun wiederum mit; dies sei eine Steigerung um 27 Prozent gegenüber 2005. Und man sei entschlossen, dieses hohe Niveau an Unterstützung beizubehalten. Erst kürzlich übersandte zudem Israel 100 Millionen Dollar aus eingefrorenen Zoll- und Steuereinnahmen an Mahmud Abbas.
Und was bedeutet das alles? Dies zum Beispiel: „Die Palästinenser sind pro Kopf die größten Empfänger ausländischer Hilfe weltweit.“ Die Regierung, die sie gewählt haben, leistet sich gleichzeitig vom angeblich nicht vorhandenen Geld eine veritable Aufrüstung nach innen und außen, klagt kooperationsunwillige Staaten an, der „Schwanz des amerikanischen Hundes“ zu sein, hätte gerne einen um(ma)fassenden islamischen Staat in einem judenfreien Nahen Osten und begehrt also die Auslöschung Israels oder doch wenigstens dessen Transfer nach Übersee. Angesichts dessen und eingedenk der vorliegenden Zahlen ist es schon bemerkenswert, ja verräterisch, wenn sich das Märchen von den der Verhungerung nahen Palästinensern so hartnäckig hält. Aber sein Plot ist eben so unwiderstehlich romatizistisch und gleichzeitig eine aggressive Geste gegen den jüdischen Staat. Wen interessiert da schon die Wirklichkeit?
Übersetzungen: Lizas Welt – Hattip: Sonja Wanner