Faschissen!

Den Heldentod ist der Ostfascho also nicht gerade gestorben, für den Führerbunker hat es auch nicht gereicht, und selbst nach Spandau oder zum Galgen war der Weg noch ziemlich weit. Trotzdem – respektive gerade deshalb – schießen immer dann die wildesten Gerüchte ins Kraut, wenn Politiker durchaus verschiedener Couleur das Zeitliche segnet, zu deren Leidenschaften der Kampf gegen die jüdische Weltverschwörung zählte. Als beispielsweise Jürgen Möllemann seinen, nun ja, letzten Flyer machte, spekulierte so mancher ihm Zugeneigte, ob nicht der Mossad zuvor die Reißleine des Fallschirms funktionsunfähig gemacht haben könnte. Und nachdem Yassir Arafat die Uniform endgültig abgelegt hatte, mochten sich nicht wenige seiner Landsleute ebenfalls nicht damit abfinden, dass ihr Idol entschlafen war, ohne dass der Feind nachgeholfen hatte. Dabei macht die israelische Armee in der Regel kein großes Geheimnis daraus, wenn sie – wie im Falle Abd al-Aziz ar-Rantisis oder Scheich Yassins – vorzeitig für die Jungfrauen im Paradies sorgt.

Dass Leichsenring Inhaber einer Fahrschule war, lässt auch „werwindsaet“ an Zufällen zweifeln: „Eigentlich stehe ich nicht sonderlich auf Verschwörungssachen, aber wenn so etwas passiert wie heute Vormittag Herrn Leichsenring, wird man regelrecht dazu verführt, mehr dahinter zu sehen, als einen einfachen Autounfall (als jahrelanger Fahrlehrer sehr unwahrscheinlich).“ „Daedalus“ wiederum fragt sich zunächst: „Aber wie sollte man so einen Unfall manipulieren können?“, bevor ihm doch noch die Erklärung einfällt: „Vielleicht hat der zu überholende PKW seine Finger im Spiel gehabt, indem er sich der Geschwindigkeit Leichsenrings, als er neben ihm fuhr, angepasst hat, sodass dieser nicht mehr rechtzeitig in die rechte Spur kommen konnte.“ Er halte zwar „nicht viel von Verschwörungstheorien, aber dass es gerade solche wichtigen Spitzenkräfte wie Leichsenring erwischen muss, genauso wie vor der letzten Bundestagswahl eine gewisse Dame, die für den Wahlkreis Dresden antreten sollte und überraschend verstarb“, ließ ihn dann doch eine Konspiration mutmaßen. Mit der „gewissen Dame“ ist Kerstin Lorenz gemeint, die Direktkandidatin der NPD zur Bundestagswahl 2005 im Wahlkreis Dresden I. Kurz vor dem Wahltermin fiel sie nach einem Hirnschlag ins Koma und starb schließlich; die Wahlen in diesem Kreis wurden daraufhin verlegt. Als Nachfolger stand Franz Schönhuber parat, der kürzlich jedoch ebenfalls seinem Führer in die ewigen Jagdgründe folgte.

Vielleicht entspringen derlei Fantasmagorien aufrechter Deutscher gar nicht mal ausschließlich originärem Antisemitismus, sondern dem Minderwertigkeitskomplex, immer noch keinen zweiten Eichmann hervorgebracht zu haben, der es wert wäre, vor ein israelisches Gericht gestellt zu werden. Aber das ist auch nicht so wichtig. Zumindest hat jetzt einer weniger die Gelegenheit, diesem Vorbild weiter nachzueifern. Wenn das mal kein Fortschritt ist.
* Etwa im „Wikingerforum“ und im „Nationalen Forum Deutschland“, die hier nicht verlinkt werden sollen. Orthografie, Interpunktion, Grammatik etc. im Original.
Das mittlere Bild und die untere Fotomontage entstammen dem Weblog Verfolgerrevolver. Hattip: Christian Kretschi