Karate Kids vs. Blogger-RAF

Wenn hier also nun schon wieder von einem die Rede sein soll, dem so viel Aufmerksamkeit eigentlich nicht gebührt, dann wie bisher schon zuvörderst deshalb, weil er nachgerade der Prototyp des eingangs vorgestellten autoritären Charakters ist, ein besonders prächtiges Exemplar der verfolgenden Unschuld überdies und die Beta-Version des „Israel-Kritikers“, der Täter und Opfer bauernschlau zu verdrehen weiß. Und weil er publizistisch tätig ist, also wenigstens ein bisschen mehr Anerkennung, Aufmerksamkeit und Verbreitung findet als ein gewöhnlicher Neurotiker, der Leserbriefe an das lokale Käseblatt oder den Zentralrat der Juden in Deutschland schreibt. Jürgen Cain Külbel, um den es geht, bringt derzeit sein gesamtes, in der verflossenen Deutschen Demokratischen Republik erworbenes kriminalistisches Können in Anschlag, um diesem Weblog den Garaus zu machen. Zu gerne wüsste er, wer ihm da ein paar Mal einige Zeilen gewidmet hat; da entsprechende Nachfragen jedoch unbeantwortet blieben, ist er aufs Spekulieren und auf Beistand angewiesen. Über seinen E-Mail-Verteiler bat er deshalb um „zweckdienliche Hinweise“ und gab dabei gleich selbst einen: „Mir wurde dieser Tage zugetragen, der Chefredakteur des Focus, Herr Helmut Markwort, würde das Blog LIZAS WELT bedienen.“ Der nämliche Kollege nennt zwar ein ganzes Wochenmagazin sein eigen, aber vielleicht sind es ja die Fakten, Fakten, Fakten, die Külbel ängstigen und deretwegen er sich zu solch verschrobenen Vermutungen versteigt.

Fragen über Fragen, zu deren Klärung aber nicht nur die virtuellen Ede Zimmermanns beitragen sollen, sondern am liebsten auch die Staatsanwaltschaft Berlin, bei der Külbel ausweislich seiner Homepage eine „Strafanzeige gegen Unbekannt“ – nämlich gegen den „anonym arbeitenden Blogger ‚LIZAS WELT’“ – wegen „Verdachts der üblen Nachrede und Verleumdung“ eingereicht hat. Von einer „medialen Schmutzkampagne, die von einer so genannten ‚Blogger-Gemeinschaft’ gegen mich geführt worden war“, ist dort die Rede, von nichts weniger also als einer konzertiert-konspirativen Aktion; dieses Weblog habe sich dabei „nicht gescheut, unwahre Tatsachen“ – oder waren es vielleicht doch wahre Gerüchte? – „über mich zu behaupten und sie zu verbreiten, um mich verächtlich zu machen oder in der öffentlichen Meinung herabzuwürdigen; sämtlich geeignet, auch meinen Kredit als Buchautor zu gefährden“. Dazu hätte es zwar weder Lizas Welt noch eines anderen Mediums bedurft, weil der klagende Külbel dieses Geschäft bereits selbst mit seinen Texten glänzend besorgt, doch darum geht es auch gar nicht allein: Als Opfer von Denunziationen, Verunglimpfungen, Beleidigungen, Verleumdungen etc. pp. fühlt sich Cain the Brain, dieses Schicksal mit einem anderen kritischen Kopf seines Zuschnitts teilend, dem gar Morddrohungen widerfahren seien: „Er soll erschossen werden.“ Külbel kennt das: „Solcherart ‚Unbequemlichkeiten’ sind auch mir nicht fremd. Während der Recherchen für mein Buch erreichten mich ähnliche ‚Anliegen’; aus den USA vermutlich und Israel.“ Und deshalb „nehme ich meine Analyse äußerst ernst“ – wenn es sonst schon niemand tut –, „um Haupttäter, Anstifter, Zuarbeitende ordentlich auseinander zu halten und um jedem seinen Platz in diesem Wintermärchen zuweisen zu können.“ In Reih’ und Glied, versteht sich. Ordnung muss schließlich sein.

Man darf also gespannt sein, ob Külbels Recherchen in dieser Sache Handfestes zutage fördern oder ob sie sich auf dem Niveau bewegen, das auch seine sonstigen Unternehmungen etwa in Sachen „Mordakte Hariri“ kennzeichnet und das durch eine Mischung aus Verschwörungstheorien, wilden Spekulationen und ideologischem Eifer geprägt ist. Eine saubere Beweisführung ist Külbels Sache jedenfalls nicht, und so bleibt ihm auch in Bezug auf seine Verleumdungsklage nur die Hoffnung, dass eine Instanz des von ihm ansonsten so verhassten Staates seinen gekränkten Narzissmus justiziabel macht. Das dürfte jedoch nicht ganz leicht werden, denn da war doch noch was: Wie soll man jemanden nennen, der ganz offen bekennt, „viele und mir persönlich bekannte Mitglieder der Hizbollah tatsächlich zu meinen Freunden“ zu zählen, also mit Angehörigen einer Bande per Du zu sein, deren Zweck und Ziel die Auslöschung Israels ist? Welche Bezeichnung verdient einer, der dem Vizepräsidenten des Zentralrats der Juden in Deutschland, Salomon Korn, in einem „Offenen Brief“ fragt, weshalb dieser „sich als oberster Sittenwächter in Deutschland“ aufspiele, „obwohl Ihre israelischen Freunde zum gleichen Zeitpunkt massiv töten“, und im gleichen Schreiben befindet, „der jüngste Krieg des Staates Israel“ habe „uns Nachgeborenen eine leise Idee von der Barbarei des Dritten Reichs geben können“; „das jüngste mordbrennende Barbarentum der Israelis“ – er spreche „nicht von Juden, um nicht in die allerorten ausgelegten Fußangeln des Antisemitismus’ zu tappen“, behält sich diese Option also für den Fall des Verschwindens dieser imaginierten Stolperfallen ausdrücklich vor – sei mit dem Zweiten Weltkrieg zu vergleichen, und der in seinen Augen viel zu große Einfluss des Zentralrats müsse auf den von „Hausmeister Krauses Dackelverein“ reduziert werden? Was wäre eine treffende Charakterisierung für jemanden, dem die Vernichtung des europäischen Judentums durch seine Vorfahren zur Nebensächlichkeit gerät? – „50 Millionen Tote, davon allein 20 Millionen Russen, und 35 Millionen Versehrte. Fast 11 Millionen Menschen wurden damals in den faschistischen Konzentrations- und Vernichtungslagern erschlagen, erschossen, vergast oder sie verhungerten; darunter eben auch 5 Millionen Juden – ein Zehntel aller Toten.“
Wenn man davon ausgeht, dass Antisemitismus nicht beim vollendeten Judenmord beginnt, sondern notwendig in ihm kulminiert, gibt es für einen, der solche Sentenzen – und sie sind nur eine kleine Auswahl – offensiv vertritt, nur einen Begriff: Antisemit. Daran ändert kein Gerichtsurteil etwas, und diese Einstufung wird auch nicht dadurch falsch, dass sie von Bloggern vertreten wird, die es vorziehen, einem Hizbollah-Fan nicht gleich mit gezücktem Personalausweis in die Arme zu laufen. Und es macht die Angelegenheit nicht besser, wenn ein Antisemit für eine überregionale deutsche Tageszeitung schreiben darf, der man deshalb ganz im Gegenteil den Vorwurf nicht ersparen kann, einem solchen die Gelegenheit publizistischen Wirkens zu geben. Aber das ist beim Neuen Deutschland andererseits auch nicht weiter verwunderlich, einem Blatt also, dem der Kampf gegen zionistische Insurgenten und andere Agenturen des Imperialismus immer schon eine Herzensangelegenheit war und aus dem deshalb wie zu allen Zeiten die rotbraune Melange des Nationalbolschewismus tropft.
Zum vorweihnachtlichen Schluss noch ein Rührstück von Külbels bloggendem Mitstreiter, mutmaßlich direkt aus dem Parteibuch abgeschrieben: „Versöhnung braucht eine bessere Welt sicher dringender als Hass.“ Wie wahr, wie wahr. Kapituliert die Hizbollah? Streckt die Hamas die Waffen? Oder hat wenigstens Karate Kid Einkehr gehalten? I wo: „Würdest Du Dich bei Jürgen Cain Külbel, den Du scheinbar in blindem Hass auf alles, was irgendwie antisemitisch sein könnte, attackiert hast, öffentlich entschuldigen, so wäre Dir sicher nicht nur mein Respekt gewiss. Vielleicht könntest Du damit gar ein Zeichen für die Versöhnung von Menschen verschiedener Religionen setzen. War eine bessere Welt nicht das Husarenstück, dass Du einst schreiben wolltest?“ Es gibt eine schlimmere Strafe, als verurteilt und geoutet zu werden: die Aufforderung zum Kotau vor dem Wahnsinn, verpackt in den salbungsvollen Worten eines Sozialdemokraten. Nichts wie weg – vielleicht ist beim Kommando Burkhard Hirsch noch ein Plätzchen frei.
Update: Was Sie schon immer über das Leiden des furchtlosen jungen K. unter „subfaschistischen, rassistischen, misanthropischen Kohorten“ wissen wollten, die ihn in einen „Notstall“ zu pferchen gedenken, und was es über Karbatschen, Fallimente, Sybariten, Brast und anderen Wortmüll so alles zu erzählen gibt, verrät Ihnen Cain the Brain höchstselbst in seiner Antwort auf diesen Beitrag.